Interview mit Julien von der Schweizerischen Samenbörse
- 25. März
- 3 Min. Lesezeit

Die Schweizerische Samenbörse ist weit mehr als nur ein Ort, an dem Saatgut getauscht wird. Sie verbindet Menschen, Geschichten und die gemeinsame Leidenschaft für Natur – und das mitten in der Stadt. Im folgenden Interview gibt Julien spannende Einblicke in die Entstehung des Projekts, die Idee dahinter und die Vision für die Zukunft.
Für jemanden, der noch nie bei der Samenbörse war: Was kann man sich darunter vorstellen? Wie funktioniert es?
Ursprünglich wollten wir zu dritt einfach eine kleine Samentauschbox aufstellen, einen Flyerständer oder so etwas. Als uns das Unternehmen Mitte dann aber einen Tresorraum gezeigt hat, waren wir sofort begeistert! So wurde das Projekt viel grösser als geplant.
Jeder kann sein Saatgut bringen - am liebsten mit der Geschichte dahinter. Denn bei uns geht es nicht nur um Saatgut, sondern auch um die Emotionen und Erfahrungen die damit verbunden sind. Einfach "nur" Saatgut abholen, das geht auch. Es ist kostenlos und genug für alle da!
Zusätzlich entstanden Satellitenprojekte, etwa Tauschkästchen auf dem Gemeinschaftsgarten Landhof und auf dem Bruderholz. Wir waren auch an Festivals und Ausstellungen vertreten, zum Beispiel an der Jungkunst in Winterthur oder mit einer Aktion in Rapperswil, bei der Menschen ihre Rasenmäher für eine Saison „stilllegen“ konnten.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen die Samenbörse in die Wege zu leiten? Hat euch das Thema schon immer interessiert oder gab es einen speziellen Auslöser?
Wir kommen alle vom Land und leben heute in der Stadt Basel. Uns fehlt die Natur in der Stadt. Die anderen haben einen Balkon, ich habe einen Schrebergarten, und wir versuchen so, Natur wieder mehr in den Alltag zu integrieren.
Wo seht ihr den Unterschied zwischen Stadt und Land? Auch im Bezug zu den Menschen und der Biodiversität?
Auf dem Land gibt es zwar mehr Grünflächen, aber oft wenig Biodiversität, etwa durch reine Rasenflächen. Gleichzeitig haben viele das Gefühl, es gebe schon genug Natur.
Die Idee der Samenbörse ist es, die Menschen zu animieren wieder mehr Natur in ihren Alltag zu integrieren. Wenn die Menschen zu uns kommen, finden sie eine Plattform, wo sie mit uns darüber reden können. Wir sind keine Expert*innen und die Menschen, die zu uns kommen, auch nicht. Wir sind meist auf einer Wellenlänge und tauschen uns aus. Uns ist wichtig, gemeinsam Lösungen zu finden.
Warum ist es deiner Meinung nach wichtig, eine Samenbörse zu haben? Ich meine man könnte Saatgut doch einfach im Supermarkt kaufen. Wo ist da für dich der Unterschied?
Es geht vor allem um den freien Zugang für alle. Mit der Schweizerischen Samenbörse stellen wir sicher, dass jede:r einfach zu uns kommen kann und samenfestes Saatgut bekommen, so wie es die Natur vorgesehen hat: gratis - es kostet nichts!
Hochwertiges Saatgut ist sonst oft teuer zu kaufen. Ein weiterer Vorteil bei uns Saatgut zu beziehen ist, dass wir Fragen willkommen heissen. Wir unterstützen und motivieren die Leute auszuprobieren. Aber es gibt auch einige Fälle wo es einfacher ist Saatgut zu kaufen. Zum Beispiel Zucchini kann man nicht einfach Saatgut aus der Frucht nehmen, weil sie sich kreuzen! Solche Samen geben wir daher nicht weiter.
Warum? Tomatensamen lassen sich einfach aus der Frucht gewinnen und ergeben wieder ähnliche Pflanzen. Bei Kürbis oder Zucchini kommt es jedoch leicht zu Kreuzungen mit anderen Pflanzen, wodurch ungeniessbare Sorten entstehen können.
Unser Ziel bleibt klar: Austausch fördern, ein Netzwerk schaffen und Pflanzen wieder persönlicher machen. Im Gegensatz zu Supermarktware entsteht bei uns eine Beziehung zu den Pflanzen.
Was ist eure Vision für die Zukunft?
Ein grosser Teil unserer Nahrung kommt von Pflanzen, und die entstehen aus Samen. Saatgut ist also etwas total Grundlegendes. Wir wollen den Zugang dazu möglichst offen halten und weiter verbreiten, damit er nicht in den Händen weniger grosser Konzerne liegt, sondern breit zugänglich bleibt.
Am 15.3. Findet der SamenSonntag statt. Was ist da geplant? Auf was freust du dich?

Der SamenSonntag ist ein offener Nachmittag mit grossem Tauschtisch und einer Vielzahl an Saatgut. Letztes Jahr waren es rund 50–60 Sorten. Besucher*innen können bringen, tauschen oder einfach mitnehmen. Es gibt einen Stand von ProSpecieRara, einen Stand von uns, der Schweizerischen Samenbörse und einige andere.
Es gibt zudem Workshops, etwa Makrofotografie von Samen oder das Herstellen von Pflanzenfarben. Verschiedene Organisationen sind mit Ständen vertreten, dazu kommen Büchertisch, Kaffee und Kuchen.
Die Veranstaltung ist sehr lebendig und gemütlich. Letztes Jahr kamen 200–300 Personen! Ich freue mich sehr darauf!
Am besten überzeugst du dich selbst: Komm vorbei, bring ein paar Samen (oder einfach Neugier) mit und werde Teil dieses lebendigen Netzwerks rund um Natur, Austausch und gemeinsamem Lernen.
Bemerkung
Das Interview wurde am 01.03.2026 mit Julien von der Schweizerischen Samenbörse geführt. Weitere Informationen zur Samenbörse findest du auf https://samenbörse.ch/
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